Karl Liebknecht: Sockel ohne Denkmal

Am Eingang zur U2 am Potsdamer Platz steht ein 1,70 Meter hoher Sockel für ein Denkmal für Karl Liebknecht, das nie fertig gestellt wurde. 1951 wurde der Grundstein gelegt. Nach dem Mauerbau 1961 stand der Sockel mitten im Todesstreifen.

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg hatten zur Antikriegsdemonstration am 1. Mai 1916 aufgerufen. Wer für den Frieden und den Ende des ersten Weltkriegs sei, komme am Abend zum Potsdamer Platz. Liebknecht wurde verhaftet und zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt. Durch eine Amnesie kam er nach zwei Jahren frei. Der Grundstein des Denkmals wurde am 13. August 1951 anlässlich seines 80. Geburtstags gelegt. Das Denkmal wurde bis zum Mauerbau zehn Jahre später nicht fertiggestellt. Nach dem Mauerbau befand sich der Sockel im Grenzstreifen an der vorderen Mauer, nach der Wende an einem Baustellenzaun – in den Plänen für die Neubebauung war das Denkmal nicht vorgesehen. 1995 wurde der Sockel abmontiert und in Marzahn zwischengelagert. Am 20. November 2003 wurde er als „einzigartiges Element der Denkmaltopographie des ‚Kalten Krieges'“ wieder am alten Ort an der Stresemannstraße, gegenüber von Erna-Berger-Straße und Bundesumweltministerium, aufgestellt. Eine Skulptur auf dem Sockel gibt es bis heute nicht. Eine Infotafel an den Säulen zum U-Bahn-Eingang erläutert immerhin Details.

Ein seltsames Nicht-Denkmal-Gedenk-Element. Es steht mitten im Weg und doch rennen alle daran vorbei. Ich stand eine ganze Weile dort, um ein Foto zu machen, auf dem keine vorbeirauschende Person drauf ist. Dabei stand ich vor allem allen anderen vorbeirauschenden Menschen im Weg. Aber der eine oder die andere drehten sich um und sahen zum Sockel, den ich mit meinem Handy so konzentriert fixierte, dass es ja etwas bedeuten musste.

 

 

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Ein Kommentar zu “Karl Liebknecht: Sockel ohne Denkmal
  1. MaWi sagt:

    Sachen Gibt es …

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