Portrait einer Stadt: Neujahr im Märkischen Museum

Es ist Neujahr, am Köllnischen Park sind überall noch Party-Spuren von Silvester. Der Bärenzwinger ist leer. Maxi und Schnute, die beiden Bärinnen gibt es nicht mehr, aber ein Holz-Bär, girlandenbeschmückt, lächelt mir entgegen. Die meisten Museen in Berlin haben heute zu, aber das Märkische Museum öffnet für einige Stunden seine Türen.

Das Märkische Museum ist Berlins Stadtmuseum und gibt einen Überblick über die bewegte Geschichte der Stadt – von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Neuzeit. Das Gebäude am Köllnischen Park, nahe der historischen Mitte der alten Doppelstadt Berlin und Cölln, hat etwas märchenhaftes an sich. Tatsächlich hat der Architekt und Stadtbaurat Ludwig Hoffmann im inneren und äußeren des von 1899 bis 1908 errichteten Gebäudes, das weltweit das erste speziell als Stadtmuseum konzipierte Gebäude war, verschiedenste Architekturzitate aus der Region eingebaut.

Es gibt Gewölbehallen und Waffenkammern, eine wunderbare historische Spielzeugsammlung (mit rund 60.000 Objekten eine der größten Spielzeugsammlungen in Deutschland!) und das „Kaiserpanorama“ – eine Art Bilder-Kino, das ab 1883 in Berlin „Massenunterhaltung“ bot: 25 Menschen konnten gleichzeitig durch Gucklöcher zweidimensionale Bilder-Serien betrachten.

Wirklich gelungen finde ich die Ausstellungskonzeption des „Stadtrundgangs“ durch verschiedene Straßen und Viertel Berlins und ihre Geschichte(n): Die Prachtstraße Unter den Linden, die Wilhelmstraße als Zentrum politischer Macht, der Kudamm als Schaufenster des Westens oder die Stalinallee – anhand sorgsam ausgewählter Objekte und Bilder sowie guter Erläuterungstexte wird anhand von Straßen und ihrer Entwicklung und Bedeutung über die Jahrhunderte ein faszinierendes Portrait der Stadt gezeichnet. Absolut gut gemacht!

Es gibt einfach unheimlich viel zu entdecken in diesem Haus: Ob nachgestellte Arbeitsplätze der Brüder Alexander und Wilhelm Humboldt zum Experimentieren für Kinder, über das Originalinterieur des kaiserlichen Hoffriseurs Haby und zeitgenössischen Tassen mit „Schnauzbart“-Halter, zu großartigen Gemälden der Berliner Secession. Das Museum ist auf jeden Fall einen Ausflug wert, zahlreiche Angebote für Familien mit Kindern sorgen für kurzweilige Unterhaltung für alle Beteiligten.

Höhepunkt war die Vorführung der historischen Musikautomaten im Obergeschoss von Drehorgel, Grammophon bis zum großen Orchestrion „Fratihymnia“, das einst in einem italienischen Restaurant gestanden haben soll. (Das Museum bietet hier zu den mechanischen Musikinstrumenten übrigens auch einen Audioguide an – aber die Livevorführung sollte man sich dennoch nicht entgehen lassen! ;-))

Mehr Informationen:

Seit Herbst 2016 erfolgt eine Sanierung des Museums, so dass derzeit Teile des Sockelgeschosses geschlossen sind. Während der Umgestaltung gilt ein reduzierter Eintrittspreis von 4 Euro (ermäßigt 2 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei). Jeden 1. Mittwoch im Monat ist der Eintritt frei.

Das Märkische Museum ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr. Es werden regelmäßig Veranstaltungen angeboten, z.B. jeden 1. + 3. Sonntag im Monat eine Familienführung (14 Uhr) und jeden 2. + 4. Sonntag im Monat eine reguläre Führung durch die Dauerausstellung (14 Uhr, 7 Euro inkl. Museumseintritt). Weitere Termine u.a. zu den nächsten Vorführungen der mechanischen Musikinstrumente sind hier zu finden.

Internetseite: www.stadtmuseum.de

Hier ein paar Impressionen von meinem Neujahrsspaziergang…

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